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Projekt "NaturEntdecker" feiert zehnjähriges Bestehen

Initiative von Loki-Schmidt-Stiftung und Buhck-Stiftung soll das Bewusstsein von Kindern für die Natur stärken. Der Andrang ist groß.

Bergedorfer Zeitung vom 3.7.2023 Ein Bericht von Johannes Kramer:

Im Versammlungsraum des Boberger Dünenhauses sind es gefühlte 30 Grad Celsius. Dicht an dicht sitzen rund 100 Kinder auf wenigen Quadratmetern gedrängt. Viele sind mit ihren Eltern gekommen. Es ist unübersichtlich und laut. Doch als Ann-Carolin Meyer das Wort ergreift, hören alle auf einmal gespannt zu. „Wofür steht diese Kette?“, fragt sie und die Kinder krakeelen prompt ihre Antworten heraus. Am Ende sind es sechs verschiedenfarbige Ketten, die auf ein Band geschnürt die Gesamtheit der Natur aus Erde, Wasser, Luft, Pflanzen, Tieren und Menschen darstellen sollen.

Die Wissenschaftspädagogin leitet das Projekt „NaturEntdecker“, das vor zehn Jahren von der Loki-Schmidt-Stiftung in Kooperation mit der Buhck-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Sechsmal innerhalb eines Kitajahres begeben sich Kinder im Vorschulalter auf Entdeckertour, um ein stärkeres Bewusstsein zur Natur aufzubauen. Die Lehreinheiten sind immer an ein ausgewähltes Tier angelehnt. „Mich freut es am meisten, wenn die Kinder anfangen, Empathie für das Tier zu entwickeln“, sagt Meyer.

Bergedorf: Projekt „NaturEntdecker“ feiert zehnjähriges Bestehen

Im Angebot der Naturentdecker sind Frosch Fridolin, Marienkäfer Marie, Schnecke Schorch, Eichhörnchen Eike, Schmetterling Susi, Igel Igor, Rotkehlchen Robin und Eule Eulalia. „Ich hatte mich vor Kurzem mit einer Mutter unterhalten“, berichtet Tanja Ebbecke, Projektmanagerin der Buhck-Stiftung: „Ihr Kind konnte ihr alles über Igel erzählen: Was sie fressen, wo sie sich verstecken, wie sie überwintern. Die Kinder sind stolz, dass sie mehr wissen als ihre Eltern.“

Rund 3200 Kinder aus knapp 200 Kitagruppen im Bezirk Bergedorf haben bislang an dem Projekt teilgenommen. Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung, sieht dadurch vor allem einen hohen Multiplikatoreneffekt: „Die Kinder zeigen ihren Eltern und Geschwistern, was sie hier gesehen haben. Das wirkt dann auch in die Familien hinein.“

 

Projekt wird jährlich mit 15.000 Euro gefördert

Die Arbeit der Loki-Schmidt-Stiftung ist heutzutage wichtiger denn je. „Der Anlass war damals, dass sich viele Kinder immer mehr von der Natur entfremdet hatten“, beschreibt Karen Elvers, Leiterin des Dünenhauses. Diese Entwicklung hält an: „Es wird immer schwieriger, junge Menschen für die Natur zu begeistern. Das hat bestimmt auch viel mit Ablenkung durch digitale Medien zu tun“, sagt sie.

„Auch die Motorik hat sich verändert. Viele Kinder haben zu wenig Bewegung“, ergänzt Bianca Buhck, Vorstand der Buhck-Stiftung. Die Institution, die sich auf Integration und Umweltbildung fokussiert, fördert das „Naturentdecker“-Projekt jährlich mit 15.000 Euro. „Wir wollen, dass das Projekt eine Wirkung in den Kindern entfaltet und können uns total darauf verlassen, dass es gut funktioniert.“

 

„Es entsteht ein echtes Gruppengefühl“

Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 19 Kitas aus dem Bezirk an der Entdeckertour teil. Die Kinder, die zum Großteil im Vorschulalter sind, durchlaufen das Angebot von September bis zu den Sommerferien. Sie lernen dabei die Lebensweise eines Tieres währen der vier Jahreszeiten. „Die Nachfrage ist sehr hoch. Wenn es danach geht, könnten wir noch mehr Gruppen aufnehmen“, berichtet Karen Elvers. Größer werden könne der Umfang aber nur, wenn sich weitere Unterstützer fänden.

„Wenn es nach mir ginge, hätte ich gern noch weitere Gruppen“, sagt Ann-Carolin Meyer mit einem breiten Grinsen. Die Naturführerin ist eine von fünf sogenannten Teamern. „Im Laufe des Jahres entwickelt sich eine enge Beziehung von den Kindern zu den Teamern“, erzählt sie. „Es entsteht ein echtes Gruppengefühl. Viele sind am Anfang sehr still und am Ende deutlich aktiver.“

 

Ein neues Tier soll bald hinzukommen

Wie es in den kommenden Jahren weitergehen soll? „Es gibt natürlich immer Verbesserungsbedarf“, sagt Meyer. In den Kitas soll es unter anderem Beobachtungsstationen geben, wo Kinder über eine Kamera das Schlüpfen von Küken verfolgen können. Und ein neues Tier soll bald hinzukommen: die Libelle Lisa.